Pallade Veneta - "Selbstzerstörerisch": Kalifornien verklagt US-Regierung wegen Trumps Zollpolitik

"Selbstzerstörerisch": Kalifornien verklagt US-Regierung wegen Trumps Zollpolitik


"Selbstzerstörerisch": Kalifornien verklagt US-Regierung wegen Trumps Zollpolitik
"Selbstzerstörerisch": Kalifornien verklagt US-Regierung wegen Trumps Zollpolitik / Foto: Mandel NGAN - AFP/Archiv

Der US-Bundesstaat Kalifornien hat die Regierung von Präsident Donald Trump wegen dessen Zollpolitik verklagt. Ohne die Zustimmung des Kongresses sei der Präsident nicht befugt, "die Wirtschaftslandschaft des Landes radikal zu verändern. So funktioniert unsere Demokratie nicht", sagte Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta am Mittwoch (Ortszeit) vor Journalisten. Der Gouverneur des wirtschaftsstarken Bundesstaates, Gavin Newsom, sprach vom "schlimmsten Eigentor in der Geschichte dieses Landes".

Textgröße ändern:

Trumps Zollpolitik sei "eine der selbstzerstörerischsten Vorgänge, die wir in der modernen amerikanischen Geschichte erlebt haben", sagte Newsom. Die "unrechtmäßigen Zölle" Trumps verursachten "Chaos" bei kalifornischen Familien und Unternehmen, trieben die Preise in die Höhe treiben und gefährdeten Arbeitsplätze.

Trump hat die Zölle auf Basis des International Emergency Economic Powers Act von 1977 eingeführt. In der am Mittwoch von Kalifornien eingereichten Klage wird argumentiert, dass der Präsident nach diesem Gesetz für die Zollaufschläge die Zustimmung des Kongresses benötige. "Der Kongress hat die Zölle nicht genehmigt und noch weniger hat er genehmigt, die Zölle anzuheben, auszusetzen und sie dann nach Belieben wieder einzuführen", sagte Bonta in Anspielung auf Trumps Schlingerkurs.

"Wir bitten das Gericht, dem Präsidenten Einhalt zu gebieten und die Verfassung zu wahren", sagte Bonta weiter. "Der Präsident tut wieder einmal so, als stünde er über dem Gesetz, aber das tut er nicht." Mit der Klage solle erreicht werden, dass die Aufschläge zurückgenommen würden.

"Wo ist der Kongress? Macht eure Arbeit", fügte Gouverneur Newsom mit Blick auf die Mehrheit von Trumps Republikanern im Senat und im Repräsentantenhaus in Washington hinzu. Trump schade mit seinen Zöllen auch seinen Wählern, da viele Menschen etwa durch die Kursstürze an den Börsen Einbußen bei den Renten hinnehmen müssten. Stattdessen mache der Präsident Politik für seine milliardenschweren Spender und Freunde, sagte Newsom, der als möglicher Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei bei der Wahl 2028 gehandelt wird.

Die Vereinigten Staaten seien unter Trump innerhalb weniger Wochen "vom freien Kapitalismus zum Klientelkapitalismus übergegangen, einfach so". Dies sei "die Verkörperung der Korruption", sagte Newsom und fügte hinzu: "Wie zur Hölle können wir das zulassen?"

Das Weiße Haus wies die Kritik zurück und teilte seinerseits gegen Newsom aus. "Anstatt sich auf die grassierende Kriminalität, die Obdachlosigkeit und die hohen Kosten in Kalifornien zu konzentrieren, verbringt Gavin Newsom seine Zeit damit, Präsident Trumps historische Bemühungen zu blockieren, endlich die nationale Notlage der fortwährenden Handelsdefizite unseres Landes anzugehen", zitierten US-Medien einen Sprecher des Weißen Hauses.

Kalifornien ist der reichste US-Bundesstaat und wäre als eigener Staat die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Der Staat an der Westküste erwirtschaftet 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der USA. Laut Newsoms Büro könnte Kalifornien bei Handelsrestriktionen aufgrund von Trumps Zollpolitik Milliarden Dollar an Einnahmen verlieren.

Der Großteil der chinesischen Importe wird über kalifornische Häfen in die USA eingeführt. Zudem ist Kalifornien mit seinen 40 Millionen Einwohnern ein Technologiezentrum und wichtiger Agrarproduzent sowie ein bedeutender Handelspartner für die Nachbarländer Mexiko und Kanada. Kalifornien befürchtet auch, dass Engpässe bei Importgütern wie Holz, Stahl und Aluminium den Wiederaufbau in Los Angeles nach den verheerenden Waldbränden vom Januar erschweren könnten.

Die kalifornische Klage gilt als bislang stärkste Reaktion in den USA auf die von Trump verhängten Zölle. Newsom hatte mit den Worten "Kalifornien ist nicht Washington" bereits Anfang April erklärt, gegen die Zölle vorzugehen. Der traditionell demokratisch wählende Bundesstaat lehnte sich bereits während Trumps erster Amtszeit gegen die Politik des Republikaners aufgelehnt und strengte damals 120 Klagen gegen Trumps Regierung an.

Trump hatte Anfang April einen Mindestzollsatz von zehn Prozent für alle Handelspartner verkündet. Für rund 60 Länder verhängte er zunächst noch teils deutlich höhere Aufschläge, darunter 20 Prozent für die EU. Eine Woche später vollzog der US-Präsident jedoch eine Kehrtwende und verkündete eine "Pause" für 90 Tage. Der Mindestsatz von zehn Prozent blieb jedoch bestehen. Gegen China gelten weiterhin Einfuhrzölle von inzwischen 145 Prozent. Trumps Vorgehen im von ihm angezettelten Handelskonflikt löste massive Kurseinbrüche an den Börsen aus.

L.Bufalini--PV

Empfohlen

Ex-Kanzlerin Merkel mit großem Applaus bei CDU-Parteitag empfangen

Rückkehr auf die CDU-Bühne nach jahrelanger Abstinenz: Die frühere Bundeskanzlerin und Parteivorsitzende Angela Merkel (CDU) ist am Freitag mit großem Applaus als Gast auf dem CDU-Bundesparteitag in Stuttgart empfangen worden. Ein Teil der rund 1000 Delegierten erhob sich zu Beifallsbekundungen, als Parteichef Friedrich Merz die langjährige Kanzlerin und Parteichefin in der Tagungshalle begrüßte. Merz begrüßte Merkel mit einem Handschlag, worauf sich ein kurzes Gespräch anschloss. Merkel selbst äußerte sich nicht öffentlich.

Bundesschülerkonferenz sieht Social-Media-Verbot kritisch

Die Bundesschülerkonferenz sieht ein mögliches Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche kritisch. Probleme wie Sucht, psychische Belastungen oder Mobbing würden damit nur "in ein zwei, drei Jahre höheres Alter" verschoben, sagte Generalsekretärin Amy Kirchhoff am Freitag im Deutschlandfunk. Sie forderte, statt eines Verbots besser die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu stärken.

Regierungschefin Takaichi verspricht "starkes" Japan - Scharfe Kritik an China

Japans kürzlich im Amt bestätigte Regierungschefin Sanae Takaichi hat angesichts einer wachsenden Bedrohung durch China angekündigt, ihr Land widerstandsfähiger aufzustellen. Peking versuche verstärkt, "den Status quo im Ostchinesischen Meer und im Südchinesischen Meer einseitig mit Gewalt oder Zwang zu ändern", warnte Takaichi am Freitag in einer Grundsatzrede vor dem Parlament in Tokio. Unter anderem durch Reformen der japanischen Verteidigungspolitik wolle sie Japan in ihrer Amtszeit "stark und wohlhabend" machen.

CDU-Parteitag beginnt in Stuttgart - Stimmungstest für Merz

Die CDU hat am Freitag ihren ersten Parteitag seit dem Amtsantritt von Friedrich Merz als Bundeskanzler begonnen. Das zweitägige Treffen in Stuttgart dient der Positionsbestimmung vor wichtigen Reformentscheidungen in diesem Jahr. Am Freitagnachmittag soll auch Merz als CDU-Parteivorsitzender bestätigt werden. Die Abstimmung der rund tausend Delegierten gilt als Stimmungstest zur Arbeit des Kanzlers nach gut neun Monaten schwarz-roter Koalition.

Textgröße ändern: