Pallade Veneta - Massive Eskalation im Kaschmir-Konflikt: Indien und Pakistan greifen einander an

Massive Eskalation im Kaschmir-Konflikt: Indien und Pakistan greifen einander an


Massive Eskalation im Kaschmir-Konflikt: Indien und Pakistan greifen einander an
Massive Eskalation im Kaschmir-Konflikt: Indien und Pakistan greifen einander an / Foto: Punit PARANJPE - AFP

Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan ist nach Tagen der Eskalation in einer militärischen Auseinandersetzung gemündet. In der Nacht auf Mittwoch flog die indische Armee nach eigenen Angaben Angriffe auf "terroristische Infrastruktur" in Pakistan und im pakistanisch besetzten Teil der Konfliktregion Kaschmir, nach jüngsten pakistanischen Angaben wurden dabei mindestens acht Zivilisten getötet. Die pakistanische Armee schoss nach indischen Angaben mit Artillerie über die Grenzlinie in Kaschmir, nach indischen Angaben starben mindestens drei Zivilisten.

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Der pakistanische Armeesprecher Ahmed Chaudry sprach von 24 indischen Angriffen auf sechs unterschiedliche Orte in Pakistan. Unter den mindestens acht dabei getöteten Zivilisten sei auch ein dreijähriges Mädchen. 35 weitere Menschen seien verletzt worden, zwei Menschen würden vermisst.

Der pakistanische Regierungschef Shehbaz Scharif erklärte, die "entschlossene Antwort" Pakistans laufe bereits. Das pakistanische Außenministerium sprach von einem "verantwortungslosen Vorgehen" Indiens, das "zwei Atommächte" in die Nähe eines "großen Konflikts" bringe. Für Mittwochmorgen war ein Treffen des Nationalen Sicherheitsrats Pakistans geplant.

Die indische Armee erklärte ihrerseits, sie habe in Pakistan Einrichtungen getroffen, von denen aus "Terrorangriffe gegen Indien (...) organisiert und orchestriert" worden seien. Für die Angriffe verwendete sie die Bezeichnung "Operation Sindoor".

Das Vorgehen sei "konzentriert, abgewogen und nicht-eskalierend", es sei keine Einrichtung der pakistanischen Armee angegriffen worden. "Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan", erklärte ihrerseits die indische Armee.

Die pakistanische Armee schoss wiederum nach indischen Angaben mit Artillerie auf indisches Gebiet. Bei dem "willkürlichen Beschuss" wurden nach Angaben der indischen Armee drei Zivilisten getötet.

Damit verletze Pakistan in den Gebieten Bhamber Gali und Poonch-Rajauri "erneut" den Waffenstillstand, Indien werde "angemessen und verhältnismäßig" reagieren.

Die indische Botschaft in Washington erklärte unterdessen, der nationale Sicherheitsberater Ajit Doval habe die USA kurz nach Beginn der Angriffe über deren Verlauf informiert. Doval habe hierüber mit seinem US-Amtskollegen Marco Rubio gesprochen. Rubio erfüllt seit der Entlassung von Sicherheitsberater Mike Waltz auch dessen Funktion.

Die Spannungen zwischen den den benachbarten Atommächten Indien und Pakistan hatten sich in den vergangenen Tagen nach und nach weiter verschärft. Im Grenzgebiet lieferten sich Soldaten beider Seiten in den vergangenen Tagen wiederholt Schusswechsel.

Auslöser der Zuspitzung war ein Anschlag auf indische Touristen, bei dem am 22. April im indischen Teil Kaschmirs 26 Menschen erschossen wurden. Indien wirft Pakistan die Unterstützung des Anschlags vor, die pakistanische Regierung weist die Vorwürfe zurück.

Eines der Ziele, welche die der indischen Armee nun ins Visier nahm, war eine Moschee in Bahawalpur in der pakistanischen Provinz Punjab. Sie wird laut dem indischen Geheimdienst von mehreren Gruppen genutzt, die in Verbindung mit der dschihadistischen Bewegung Laschkar-e-Taiba (LeT) stehen. Die LeT wird unter anderem für die Anschlagsserie mit 166 Toten in der indischen Metropole Mumbai im Jahr 2008 verantwortlich gemacht.

Die Provinzbehörden von Punjab - wo fast die Hälfte der 240 Millionen Pakistaner leben - ordneten für Mittwoch die Schließung aller Schulen an.

Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP hörten im von Pakistan kontrollierten Teil Kaschmirs sowie in Punjab mehrere laute Explosionen. Über Srinagar, der Hauptstadt des indischen Teils von Kaschmir, waren Kampfjets zu hören.

Die Vereinten Nationen riefen unterdessen zur Deeskalation auf. UN-Generalsekretär António Guterres sei "sehr besorgt über die indischen Militäreinsätze jenseits der Demarkationslinie (in Kaschmir) und der Landesgrenze", erklärte sein Sprecher Stéphane Dujarric. Guterres rufe zu "größter militärischer Zurückhaltung beider Länder" auf, die Welt könne sich "keine militärische Konfrontation zwischen Indien und Pakistan leisten".

US-Präsident Donald Trump äußerte am Dienstag in Washington die Hoffnung, dass die Spannungen "sehr bald enden" würden. Nach Angaben aus pakistanischen Militärkreisen telefonierte US-Außenminister Rubio nicht nur mit dem indischen, sondern auch dem pakistanischen nationalen Sicherheitsberater. Im Onlinedienst X schrieb Rubio, er behalte die Lage "aufmerksam" im Blick und werde "weiterhin mit der indischen und pakistanischen Führung auf eine friedliche Lösung hinarbeiten".

F.Abruzzese--PV

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