Pallade Veneta - Eskalation in Nahost: Iran feuert nach israelischem Großangriff Raketen auf Israel ab

Eskalation in Nahost: Iran feuert nach israelischem Großangriff Raketen auf Israel ab


Eskalation in Nahost: Iran feuert nach israelischem Großangriff Raketen auf Israel ab
Eskalation in Nahost: Iran feuert nach israelischem Großangriff Raketen auf Israel ab / Foto: JACK GUEZ - AFP

Der Konflikt zwischen den Erzfeinden Israel und Iran ist eskaliert: Als Reaktion auf einen beispiellosen Großangriff der israelischen Armee hat der Iran am Freitagabend dutzende Raketen auf Israel abgefeuert. Die israelische Armee griff nach eigenen Angaben mehr als 200 Ziele im Iran an, darunter Atom- und Militäranlagen. Mehrere Generäle wurden getötet, unter ihnen die Befehlshaber der iranischen Armee und der Revolutionsgarden. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu kündigte weitere Angriffe an.

Textgröße ändern:

Am Abend schrillten in ganz Israel die Alarmsirenen. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, sich in Schutzräume zu begeben, rund eineinhalb Stunden später gab die Armee dann vorerst Entwarnung.

Nach Angaben eines israelischen Armeesprechers feuerte der Iran "dutzende" Raketen Richtung Israel ab. Im Himmel über Jerusalem waren Detonationen zu hören, wie AFP-Journalisten berichteten. Über der Küstenstadt Tel Aviv waren Rauchwolken zu sehen. Der Rettungsdienst Magen David Adom meldete sieben Verletzte nach einem mutmaßlichen Raketeneinschlag im Zentrum Israels. Die israelische Feuerwehr berichtete von mehreren "schweren" Zwischenfällen.

Der Iran hatte zuvor bereits Drohnen in Richtung Israel abgefeuert. Nach israelischen Angaben wurden die meisten der rund hundert Drohnen außerhalb des israelischen Staatsgebiets angefangen.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach von "einem der größten Militäreinsätze" in der Geschichte seines Landes. Er rief die Menschen im Iran in einer Videobotschaft dazu auf, sich gegen das "böse und unterdrückerische Regime" in Teheran zu erheben.

Die israelische Armee habe ranghohe Militärs und Atom-Wissenschaftler in Iran sowie "die wichtigste Anreicherungsanlage" des Landes und "einen großen Teil seines ballistischen Raketenarsenals ausgeschaltet", sagte Netanjahu und fügte hinzu: "Es wird noch mehr kommen." Israels Armeechef Ejal Samir erklärte, der Einsatz werde "mit voller Kraft und in großer Geschwindigkeit" fortgesetzt.

Im Zuge des Großangriffs "Rising Lion" (sich erhebender Löwe) hatten am frühen Morgen israelische Kampfflugzeuge Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran, die Atomanlage Natans und mehrere Militäranlagen im Iran bombardiert. In Natans wurden unterirdische Anlagen zur Urananreicherung angegriffen, laut iranischem Staatsfernsehen wurde der Großteil des Schadens jedoch nur an der Oberfläche angerichtet.

Später meldete das israelische Militär einen Angriff auf die Atomanlage in der iranischen Stadt Isfahan. Dabei seien "eine Anlage zur Herstellung von metallischem Uran, Infrastruktur zur Umwandlung angereicherten Urans, Labore und weitere Infrastruktur zerstört worden".

Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) meldete Teheran außerdem einen Angriff auf die Atomanlage Fordo. Die iranische Atomorganisation erklärte jedoch, dort und in Isfahan seien lediglich kleinere Schäden entstanden.

Bei den israelischen Angriffen wurden der iranische Armeechef Mohammed Bagheri und der Chef der mächtigen Revolutionsgarden, Hussein Salami, getötet. Das israelische Verteidigungsministerium erklärte, auch fast der gesamte Führungsstab der Luftwaffe der Revolutionsgarden sei "während einer Sitzung in ihrem unterirdischen Hauptquartier neutralisiert" worden. Nach Angaben der israelischen Armee hatten sich die Kommandeure dort versammelt, "um einen Angriff auf den Staat Israel vorzubereiten".

Am Freitagabend waren erneut Explosionen in Teheran und Umgebung zu hören, wie iranische Medien berichteten. Im Nordwesten des Iran wurden bei israelischen Angriffen nach Angaben von Staatsmedien 18 Menschen getötet.

Israel begründete seinen "Präventivschlag" gegen den Iran mit dem weit fortgeschrittenen iranischen Atomprogramm. Die Islamische Republik habe sich bei ihrem Atomprogramm einem "unumkehrbaren Punkt" genähert, erklärte die israelische Armee. Geheimdienstinformationen hätten Beweise dafür geliefert, dass Teheran inzwischen "Uran auf militärisches Niveau anreichern" und "innerhalb kurzer Zeit eine Atomwaffe" bauen könne.

Die Angriffe richteten sich auch gegen Atomforscher. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasmin wurden sechs Wissenschaftler getötet. Iranische Staatsmedien berichteten, auch Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, seien bei den Angriffen getötet worden, 95 weitere Menschen seien verletzt worden.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi bezeichnete den israelischen Angriff als "Kriegserklärung". Er wies nach Angaben seines Ministeriums Aufrufe an den Iran zurück, "angesichts der israelischen Aggression Zurückhaltung zu üben". Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ali Chamenei, drohte Israel mit massiver Vergeltung. Die Folgen des israelischen Angriffs würden das Land "in den Ruin" treiben, sagte er in einer Fernsehansprache.

In Washington hieß es, die USA seien an dem israelischen Vorgehen nicht beteiligt gewesen. Trump forderte den Iran zu einem "Deal" auf und warnte vor weiteren israelischen Angriffen, die "noch brutaler sein werden".

Israel sieht seine Existenz seit langem durch den Iran bedroht. Die westlichen Staaten werfen Teheran vor, den Bau von Atomwaffen anzustreben. Ein internationales Abkommen zur Eindämmung des iranischen Atomprogramms aus dem Jahr 2015 hat keine Gültigkeit mehr.

International löste Israels Vorgehen größte Besorgnis aus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rief die Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf und warnte vor einer Destabilisierung der gesamten Region. Auch Länder wie Saudi-Arabien, China und die Türkei warnten vor einer Eskalation.

Der russische Präsident Wladimir Putin verurteilte den israelischen Angriff auf den Iran. In einem Telefonat mit Netanjahu bot Putin nach Kreml-Angaben an, "Vermittlungsarbeit zu leisten", um eine weitere Eskalation zu verhindern. Der UN-Sicherheitsrat sollte noch am Freitag auf Antrag Teherans zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.

O.Merendino--PV

Empfohlen

Karlsruhe weist Beschwerde wegen verzögerten Versands von Briefwahlunterlagen ab

Bei Bundestags- oder auch Landtagswahlen können mögliche Störungen beim Versand der Briefwahlunterlagen an Bürgerinnen und Bürger im Ausland nicht zu einer Verschiebung der Rücksendefrist führen. Betroffenen bleibt nur eine nachträgliche Anfechtung der Wahl, wie das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe in einem am Montag veröffentlichten Beschluss zur Bundestagswahl am 23. Februar 2025 entschied. (Az. 2 BvR 334/25)

Steinmeier im Libanon: Alle Seiten müssen Verpflichtungen aus Waffenruheabkommen einhalten

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei seinem Besuch im Libanon die Einhaltung der Verpflichtungen aus dem Waffenruheabkommen zwischen der libanesischen Hisbollah-Miliz und Israel angemahnt. Deutschland wisse, wie schwer es für die libanesische Regierung sei, "für die Entwaffnung der Hisbollah zu sorgen", sagte Steinmeier am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun in Beirut. Dies sei aber die Voraussetzung dafür, dass sich die israelische Armee aus dem Südlibanon zurückziehe.

Zweiter Jahrestag von Nawalnys Tod: Mutter fordert "Gerechtigkeit" für ihren "ermordeten" Sohn

Die Mutter des verstorbenen russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny hat "Gerechtigkeit" für ihren Sohn gefordert, nachdem eine Analyse mehrerer europäischer Länder ergeben hat, dass Nawalny im Gefängnis vergiftet wurde. "Das bestätigt, was wir von Anfang an wussten", sagte Ljudmila Nawalnaja am Montag - dem zweiten Jahrestag von Nawalnys Tod - vor dem Friedhof in Moskau, auf dem sich sein Grab befindet. "Wir wussten, dass unser Sohn nicht einfach im Gefängnis gestorben ist, er wurde ermordet." Der Kreml wies den europäischen Befund derweil als "unbegründet" zurück.

Rubio vor ungarischer Parlamentswahl zu Orban: Ihr Erfolg ist auch unser Erfolg

US-Außenminister Marco Rubio hat sich vor der Parlamentswahl in Ungarn im April demonstrativ hinter Ministerpräsident Viktor Orban gestellt. "Ich kann Ihnen mit Zuversicht sagen, dass Präsident Trump sich zutiefst für Ihren Erfolg einsetzt, denn Ihr Erfolg ist unser Erfolg", sagte Rubio am Montag während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Orban in Budapest.

Textgröße ändern: