Pallade Veneta - Länder-Treffen mit Merz: Modernisierungsagenda - aber kein Beschluss im Finanzstreit

Länder-Treffen mit Merz: Modernisierungsagenda - aber kein Beschluss im Finanzstreit


Länder-Treffen mit Merz: Modernisierungsagenda - aber kein Beschluss im Finanzstreit
Länder-Treffen mit Merz: Modernisierungsagenda - aber kein Beschluss im Finanzstreit / Foto: RALF HIRSCHBERGER - AFP

Eine "Modernisierungsagenda" mit mehr als 200 Maßnahmen haben die Ministerpräsidenten der Länder bei ihrem Spitzentreffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstag verabschiedet. Unter anderem bei Behördengängen und beim Baurecht sollen Prozesse beschleunigt werden. Eine Entscheidung im Finanzstreit über die Entlastung der Kommunen wurde dagegen vertagt - dazu soll im ersten Quartal 2026 ein Sondergipfel stattfinden.

Textgröße ändern:

"Das wird man spüren, wenn das Ganze umgesetzt wird, dass das einen Schub gibt", sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zu der Modernisierungsagenda. Er ist aktuell Ko-Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK).

Bund und Länder wollen die Bürokratiekosten um 25 Prozent reduzieren. Zentral dafür soll nach Angaben vom Donnerstag die sogenannte Genehmigungsfiktion sein. In Zukunft sollen bei Behörden gestellte, vollständige Anträge als bewilligt gelten, wenn sie nicht innerhalb einer bestimmten Frist bearbeitet wurden.

Auch kleinere Maßnahmen sind vorgesehen: So soll etwa der Personalausweis für Bürgerinnen und Bürger ab 70 Jahren unbefristet gelten. Sie müssen ihn dann nicht mehr regelmäßig erneuern lassen.

"Vorausgefüllte und automatisierte Steuererklärungen" sollen die Steuererklärung leichter machen, wie der rheinland-pfälzische Regierungschef und MPK-Vorsitzende Alexander Schweitzer (SPD) sagte. Das solle insbesondere für Rentner zu einer Verbesserung führen, die steuerpflichtig sind, "aber bei denen der eigentliche Aufwand überschaubar wäre".

Ein gemeinsames digitales Betriebssystem für Bund, Länder und Kommunen wird aufgebaut. Ausweise, Nachweise und Bescheide sollen "direkt und sicher auf dem Smartphone" möglich sein. Die Verwaltung soll durch Künstliche Intelligenz unterstützt werden.

Auch beim Ausbau der Infrastruktur soll es schneller gehen: So sollen Straßen und Brücken schneller genehmigt werden, ebenso Infrastruktur im den Bereichen Erneuerbare Energien, Glasfaser und Schulen.

Zur Finanzlage der Kommunen kündigte Merz gemeinsame Vorschläge von Bund, Ländern und Gemeinden an. Dabei solle es darum gehen, dass Leistungsgesetze "gezielt angewendet" und Ausgaben unter Kontrolle gebracht werden könnten. Das Defizit der Kommunen werde bei rund 30 Milliarden Euro im Jahr liegen, "das halten die Gemeinden nicht aus", sagte der Kanzler.

Kretschmer betonte dazu: "Wir sind uns einig, dass wir eine Leistungsgerechtigkeit in unserem Land haben wollen, dass diejenigen, die starke Schultern haben, mehr tragen müssen als diejenigen, die schwache Schultern haben - dass sich aber auch niemand zurücklehnen kann." Vor diesem Hintergrund "müssen wir an die Leistungsgesetze des Bundes herangehen".

Nach dem Treffen blieb offen, ob der Bundesrat seinen Widerstand gegen die höhere Pendlerpauschale und die Senkung der Mehrwertsteuer in Restaurants aufgeben wird. Das sind vom Bund beschlossene Vorhaben, welche die Länder Geld kosten, weil sie Steuermindereinnahmen verkraften müssen. Sie fordern deshalb eine Kompensation vom Bund.

Rechtzeitig zum Jahreswechsel in Kraft treten können sie nur, wenn der Bundesrat am 19. Dezember zustimmt. Kretschmer sagte am Donnerstagabend dazu: "Das wird kommen". Es sei versprochen. Schweitzer verwies darauf, dass Themen des Bundesrats bei der MPK nicht besprochen würden, es gebe hier keine "Verquickung". Er könne noch nicht sagen, ob es eine Mehrheit für die Vorhaben in der Länderkammer geben werde.

E.Magrini--PV

Empfohlen

Krisendiplomatie zur Ukraine in New York - Rede Selenskyjs bei UN-Generaldebatte

Am Rande der UN-Generaldebatte in New York wird am Mittwoch die Krisendiplomatie zur Ukraine fortgesetzt. Unter anderem stand ein Treffen zwischen dem US-Außenminister Marco Rubio und dessen russischem Kollegen Sergej Lawrow an, bei dem über Auswege aus der Gewaltspirale beraten werden sollte. Bei der UN-Generaldebatte war die Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf dem Programm. Aus der Ukraine wurden neue Angriffe auf Energieinfrastruktur mit mindestens zwei Toten gemeldet.

Marokkaner stimmen über ein neues Parlament ab

In Marokko ist ein neues Parlament gewählt worden. Die Wahllokale öffneten am Mittwochvormittag und sollten am Abend um 19.00 Uhr (21.00 Uhr MESZ) schließen. Mit ersten Ergebnissen wurde in der Nacht zu Donnerstag gerechnet. Der Wahlkampf war von einem Misstrauen der Menschen gegenüber den Parteien geprägt.

Aserbaidschan begnadigt Franzosen nach Streichung zweier Russen von EU-Sanktionsliste

Nach der Streichung von zwei russischen Oligarchen von der Sanktionsliste der EU hat der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew am Mittwoch den wegen Spionagevorwürfen inhaftierten Franzosen Martin Ryan begnadigt. Insgesamt begnadigte Alijew 20 Menschen, wie es in einem am Mittwoch auf der Website des Präsidialamts veröffentlichten Dekret heißt. Dies sei unter Berücksichtigung unter anderem der gesundheitlichen Verfassung und familiärer Umstände der Inhaftierten geschehen.

Urkunde bei UNO hinterlegt: Deutschland tritt UN-Hochseeschutzabkommen bei

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat eine Ratifizierungsurkunde für den Beitritt Deutschlands zum UN-Hochseeschutzabkommen bei den Vereinten Nationen hinterlegt und damit den deutschen Beitritt besiegelt. Schneider bezeichnete das Abkommen nach Angaben seines Ministeriums vom Dienstag als "den größten internationalen umweltpolitischen Erfolg der letzten Jahre". Die Hinterlegung der Urkunde erfolgte am Rande der Generaldebatte der UN-Vollversammlung, zu der Schneider nach New York gereist war.

Textgröße ändern: