Pallade Veneta - Merz verteidigt Reform-Bilanz - Opposition zieht kritisches Fazit vor Jahresende

Merz verteidigt Reform-Bilanz - Opposition zieht kritisches Fazit vor Jahresende


Merz verteidigt Reform-Bilanz - Opposition zieht kritisches Fazit vor Jahresende
Merz verteidigt Reform-Bilanz - Opposition zieht kritisches Fazit vor Jahresende / Foto: Tobias SCHWARZ - AFP

Es war der letzte Koalitionsausschuss in diesem Jahr - und Zeit für eine Bilanz der ersten sieben Monate der schwarz-roten Regierung. Kanzler Merz verteidigte am Donnerstag das oft zerstritten wirkende Regierungsbündnis mit der SPD: "So umfangreiche Reformen (...) hat es in Deutschland noch nie gegeben", sagte er. Die Opposition zog eine etwas andere Bilanz.

Textgröße ändern:

Alle zwei Wochen tagte der Koalitionsausschuss seit November statt wie geplant einmal pro Monat. Ziel war es, wichtige Koalitionsprojekte im angekündigten "Herbst der Reformen" noch auf die Spur zu bekommen. Und nach den Auseinandersetzungen um Bürgergeld, Rente und das Heizungsgesetz ging es auch um ein Signal der Geschlossenheit vor dem kommenden Jahr.

Merz betonte: "Da ist vieles als Streit interpretiert worden, das notwendige Auseinandersetzung war in der Sache." Auch CSU-Chef Söder zeigte sich versöhnlich: Trotz "ein paar Leichtsinnsfehlern" und der "Zitterpartie" um die Rente sei die Koalition "viel besser als ihr Ruf".

Die Grünen warfen der Regierung Merz hingegen "Chaos" und "Führungslosigkeit" vor. "Ständige Ankündigungen, wochenlanger Streit, wie zuletzt bei der Rente, wackelige Mehrheiten", sagte die Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann der Nachrichtenagentur AFP. "Aufbruch sieht anders aus." Wenn der angekündigte "Herbst der Reformen mit diesem Klein-Klein zu Ende geht, sind die Aussichten für den Winter trübe".

Am Mittwochabend gab es im Kanzleramt nochmals einige wenige Beschlüsse: Größter Block war die Lockerung der Vorgaben von Umweltvorgaben beim Bau wichtiger Infrastrukturprojekte - einschließlich einer deutlichen Einschränkung des Verbandsklagerechts, was massive Kritik bei Umweltverbänden auslöste. Das Kabinett will in diesem Bereich kommende Woche zunächst ein Infrastruktur-Zukunftsgesetz beschließen, weitere Änderungen sollen folgen.

"Naturschutz bleibt wichtig, aber er kann jetzt nicht mehr durch endlose Verfahren dringend notwendige Maßnahmen blockieren", fasste Merz den Beschluss zusammen. Söder verwies auch auf die Entscheidung, die Elektrifizierung von Bahnstrecken bis 60 Kilometer von Umweltverträglichkeitsprüfungen auszunehmen. Diese verhinderten bisher eine schnelle Modernisierung. "Jede Maus und jeder Lurch führt dazu, dass wir jahrelange Verzögerungen haben."

Wie Merz und Söder lobte SPD-Chef und Vize-Kanzler Lars Klingbeil bei der gemeinsamen Pressekonferenz die Zusammenarbeit im Regierungsbündnis. Es sei gelungen zum Jahresende hin "wichtige Weichen zu stellen", sagte er. Die Regierung zeige, "dass wir handlungsfähig sind" und habe einen "klaren Fokus auf die wirtschaftliche Stärke, auf Wachstum, auf die Sicherheit von Arbeitsplätzen".

Weiterer Beschluss des Koalitionstreffens: Die Verwendung der Dividenden aus einem zehn Milliarden Euro schweren Aktienpaket des Bundes zur Stärkung der privaten Altersvorsorge. Die Koalition will damit ab 2029 die Grundförderung bis zu einem Betrag von 1200 Euro von 30 auf 35 Cent je Euro zu erhöhen.

Dann noch verbleibende Gelder sollen dazu verwendet werden, weitere Jahrgänge in die Frühstartrente für Kinder und Minderjährige einzubeziehen. Dabei zahlt der Staat pro Monat zehn Euro pro Monat in ein Altersversorgungsdepot. Begonnen wird ab dem kommenden Jahr zunächst mit dem Geburtsjahrgang 2020. Sukzessive sollen weitere Jahrgänge folgen.

Einen Termin gibt es nun auch für das neue Heizungsgesetz. Es soll laut Beschlusstext bis Ende Februar beschlossen werden. Es bleibt bei der Formulierung des Koalitionsvertrags, dass die Regierungsparteien das Heizungsgesetz der Ampel-Regierung "abschaffen" wollen - de facto wird es überarbeitet. Dabei will die Koalition die Modernisierung im Gebäudeenergiebereich aber "technologieoffener, flexibler und einfacher" gestalten. Bis Ende Januar soll es dazu Eckpunkte geben.

Die Linkspartei warnte vor einem "massiven Rückschritt für den Klimaschutz". Es sei zu befürchten, dass die bisherige Vorgabe, dass neue Heizungen perspektivisch zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen, "still und leise gestrichen" werde, sagte die Fraktionsexpertin Violetta Bock der "Rheinischen Post". Kritik kam auch vom Deutschen Städtetag: "Es ist unbefriedigend, dass es weiterhin keine konkreten Ergebnisse gibt, wie es mit dem Gebäudeenergiegesetz weitergeht."

"Raider heißt jetzt Twix - sonst ändert sich nix", erklärte ihrerseits AfD-Chefin Alice Weidel. "Das gilt auch für das Heizungsgesetz, das Merz im Wahlkampf abschaffen wollte. Stattdessen wird es umbenannt, während der Heizhammer auch zukünftig der Heizhammer bleibt."

Bei der Pressekonferenz der Koalitionsspitzen hallte dann auch der Streit um die seit Monaten verzögerte Bürgergeld-Reform nach. Sozialministerin und Ko-SPD-Chefin Bärbel Bas zeigte sich "überrascht", dass der am Mittwoch dieser Woche geplante Kabinettsbeschluss wegen Vorbehalten von Unionsministern nochmals verschoben werden musste. Sie zeigte sich aber "zuversichtlich", dass der Gesetzentwurf nun kommende Woche durchs Kabinett geht

O.Merendino--PV

Empfohlen

Trump ruft Putin zu Beendigung des Krieges in der Ukraine auf

Nach der Wiederaufnahme der russischen Angriffe auf die Ukraine hat US-Präsident Donald Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Beendigung des Krieges aufgerufen. "Ich will, dass er den Krieg beendet", sagte Trump am Dienstag (Ortszeit) vor Journalisten im Weißen Haus. Auf die Frage, ob er enttäuscht sei, dass Putin die einwöchige Feuerpause nicht verlängert habe, antwortete Trump: "Ich würde mir das von ihm wünschen."

Trump und Kolumbiens Präsident Petro loben Treffen im Weißen Haus

Nach einem monatelangen Schlagabtausch haben US-Präsident Donald Trump und der kolumbianische Staatschef Gustavo Petro sich lobend über ihr Treffen im Weißen Haus geäußert. Sein erster Eindruck sei, dass das Treffen "positiv" gewesen sei, sagte Petro nach der Zusammenkunft unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Dienstag vor Journalisten. Trump sagte, er habe sich "sehr gut verstanden" mit seinem kolumbianischen Kollegen.

Gazastreifen: Netanjahu schließt Beteiligung von Palästinenserbehörde an Verwaltung aus

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bei einem Treffen mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff eine Beteiligung der Palästinenserbehörde an der Verwaltung des Gazastreifens ausgeschlossen. Netanjahu habe "präzisiert, dass die Palästinenserbehörde auf keinen Fall beteiligt sein wird", erklärte das Büro des Ministerpräsidenten nach einem Treffen der beiden Männer am Dienstag.

Berater: Gaddafi-Sohn Seif al-Islam in seinem Haus in Libyen getötet

Einer der Söhne des verstorbenen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, Seif al-Islam Gaddafi, ist tot. Der 53-Jährige sei von vier Männern in seinem Haus getötet worden, sagte sein Berater Abdullah Othman Abdurrahim am Dienstag im Sender Libya al-Ahrar. "Vier Männer stürmten das Anwesen von Seif al-Islam Gaddafi, nachdem sie die Überwachungskameras ausgeschaltet hatten", sagte Abdurrahim. "Danach richteten sie ihn hin."

Textgröße ändern: