Pallade Veneta - Krankenhausgesellschaft schlägt Alarm: Drittel der Kliniken insolvenzgefährdet

Krankenhausgesellschaft schlägt Alarm: Drittel der Kliniken insolvenzgefährdet


Krankenhausgesellschaft schlägt Alarm: Drittel der Kliniken insolvenzgefährdet
Krankenhausgesellschaft schlägt Alarm: Drittel der Kliniken insolvenzgefährdet / Foto: PIERRE-PHILIPPE MARCOU - AFP/Archiv

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Deutsche Landkreistag haben vor einem weiteren Klinik-Sterben gewarnt und eine Verlängerung der Finanzhilfen gefordert. Über ein Drittel der Häuser in Deutschland "ist von Insolvenz bedroht", sagte der DKG-Vorsitzende Gerald Gaß der "Rheinischen Post" vom Donnerstag. Er schlug unter anderem eine höhere Zuzahlung der Patientinnen und Patienten pro Tag vor - diese sei seit Einführung 2004 nicht erhöht worden.

Textgröße ändern:

16 Prozent der Kliniken seien stark insolvenzgefährdet, weitere 21 Prozent gefährdet, sagte Gaß der Zeitung und stufte die Lage als ernst ein. "Aktuell schreiben 80 Prozent der Kliniken rote Zahlen", sagte er.

Der DKG-Vorsitzende forderte vor diesem Hintergrund Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auf, die Finanzhilfen zu verlängern. Im November solle die staatliche Ausgleichszahlung wegfallen, die der Bund den Krankenhäusern zur Stabilisierung der finanziellen Lage seit November 2025 gewährt. "Wir appellieren an Bundesgesundheitsministerin Warken, diese Hilfe zu verlängern", sagte Gaß. Es gehe um vier Milliarden Euro.

Auch der Präsident des Deutschen Landkreistages schlug Alarm. "Besonders betroffen sind Häuser mit kirchlichen und freigemeinnützigen Trägern", sagte Achim Brötel ebenfalls der "Rheinischen Post". Auch den kommunalen Krankenhäusern gehe es "richtig schlecht, weil wir als Träger einen Defizitausgleich in der momentan erforderlichen Höhe schlicht nicht mehr leisten können". Allein die Landkreise hätten von 2023 bis 2025 rund 25 Milliarden Euro aufgebracht, um die Verluste ihrer Kliniken auszugleichen.

Brötel forderte, die Krankenhausreform nachzubessern und Vorsorgepauschalen nicht mehr fallabhängig zu zahlen. "Wir brauchen eine fallzahlunabhängige Vorhaltevergütung", sagte er. "Alles andere führt nur zu einem unkontrollierten Kliniksterben gerade im ländlichen Raum".

Gaß schlug nun vor, die Patientenzuzahlung von derzeit zehn Euro auf 15 Euro pro Tag zu erhöhen. Die Zuzahlung sei 2004 eingeführt und seitdem nicht erhöht worden, sagte er der "Rheinischen Post". Er verwies darauf, dass es hier eine Härtefallregelung gebe und eine Begrenzung auf maximal 28 zu zahlende Kliniktage pro Jahr.

Die gesetzlichen Krankenkassen forderten unterdessen, an den gerade erst beschlossenen Änderungen der Krankenhausreform festzuhalten. Hier sei ein "tragfähiger Kompromiss" zwischen Bund und Ländern gefunden worden und nun versuchten einige Bundesländer, diesen "nachträglich wieder aufzuschnüren", kritisierte die Vize-Vorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Stefanie Stoff-Ahnis.

Der Bundestag hatte Anfang März längere Fristen für den Umbau der Kliniklandschaft und Ausnahmeregeln insbesondere für kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum beschlossen. Bei der Finanzierung stellt der Bund den Ländern zudem mehr Geld zur Verfügung als in der ursprünglichen Reform geplant.

Kernstück der Reform, die noch von Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) stammt, ist eine stärkere medizinische Spezialisierung der Kliniken. Vor allem die kleineren Kliniken sollen weniger Leistungen anbieten. Das nährte die Sorge in den Ländern, dass dort viele Krankenhäuser im ländlichen Raum schließen müssen. Am 27. März stimmt der Bundesrat über die Reform ab.

Diese sei wichtig, betonte Stoff-Ahnis: Was weder den Patientinnen und Patienten helfe noch finanzierbar sei, "wäre ein schlichtes 'Weiter so'", erklärte sie. Jedoch versuchten einige Ländervertreter, weitere Lockerungen von Qualitätsvorgaben für ihre Kliniken zu erreichen, ohne die notwendigen Veränderungen anzugehen.

L.Guglielmino--PV

Empfohlen

Historischer Linken-Sieg in Berlin - Spitzenkandidatin Eralp will Regierung bilden

Historischer Sieg der Linkspartei in Berlin: Erstmals hat die Linke am Sonntag eine Wahl zum Abgeordnetenhaus gewinnen können. Spitzenkandiaten Elif Eralp will nun als Regierende Bürgermeister die sogenannte Vergesellschaftung von Wohnungsbaukonzernen umsetzen. Das wiederum könnte Koalitionsgespräche mit der SPD erschweren - Eralp zeigte hier allerdings keine Kompromissbereitschaft.

Mecklenburg-Vorpommern: AfD punktete bei bisherigen Nichtwählern und Arbeitern

Die AfD hat bei ihrem knappen Sieg bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern vor allem von bisherigen Nichtwählern und Menschen mittleren Alters profitiert. Nach einer vorläufigen Analyse des Instituts Infratest dimap für die ARD vom Sonntagabend gaben aus der Gruppe bisheriger Nichtwählerinnen und Nichtwähler diesmal 67.000 ihre Stimme der AfD. Auch von der SPD zog die AfD Wählerstimmen ab - rund 45.000.

Prognose: Präsidentenpartei gewinnt Parlamentswahl in Russland

Bei der Parlamentswahl in Russland zeichnet sich wie erwartet ein deutlicher Sieg der Partei von Präsident Wladimir Putin ab. Laut einer am Sonntag vom staatlichen Meinungsforschungszentrum veröffentlichten Nachwahlbefragung holte die Regierungspartei Geeintes Russland 49,4 Prozent der Stimmen und fuhr damit ein ähnliches Ergebnis ein wie bei der Wahl vor fünf Jahren. Die ebenfalls Kreml-treue Kommunistische Partei kam demnach auf rund 14 Prozent, die nationalistische LDPR auf knapp elf Prozent der Stimmen.

CDU-Spitzenkandidat Evers fordert stabile Regierung für Berlin

Der Berliner CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers hat eine stabile Regierung für die Stadt gefordert. Was Berlin in diesen Zeiten brauche, sei "eine Regierung der Stabilität, der Handlungsfähigkeit", sagte Evers am Sonntagabend in der ARD. Alle Parteien der Mitte hätten bei der Wahl verloren. "Das kann aber nicht bedeuten für uns, dass wir uns als gesellschaftliche Mitte aufgeben", fügte er hinzu.

Textgröße ändern: