Pallade Veneta - Brasilianischer Indigenen-Anführer Raoni will Lula "Standpauke" halten

Brasilianischer Indigenen-Anführer Raoni will Lula "Standpauke" halten


Brasilianischer Indigenen-Anführer Raoni will Lula "Standpauke" halten
Brasilianischer Indigenen-Anführer Raoni will Lula "Standpauke" halten / Foto: Pablo PORCIUNCULA - AFP

Der brasilianische Indigenen-Anführer Raoni Metuktire hat angekündigt, mit Brasiliens Präsidenten Luiz Inacio Lula ein ernstes Gespräch über umstrittene Energie- und Infrastruktur-Projekte im Amazonasgebiet zu führen. "Ich werde mich mit ihm verabreden und ihm, wenn nötig, eine Standpauke halten, so dass er mir zuhört", sagte Raoni am Rande der UN-Klimakonferenz COP30 am Mittwoch (Ortszeit) in Belém.

Textgröße ändern:

"Ich unterstützte Präsident Lula, aber er muss uns zuhören (...). Er muss uns respektieren", fügte Raoni hinzu. Der Indigenen-Anführer, der in den 1980er-Jahren durch eine Kampagne mit dem britischen Musiker Sting gegen die Abholzung des Amazonas bekannt wurde, äußerte sich beim Gipfel der Völker (Peoples' Summit), einer Parallelveranstaltung zur COP30. Der UN-Klimakonferenz wird vorgeworfen, die Anliegen von Gruppen wie Indigenen nicht ausreichend zu berücksichtigen. Am Dienstag war es bei Protesten von Indigenen zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gekommen.

Raoni kritisierte unter anderem die Pläne der brasilianischen Regierung zum Bau der Ferraograo-Eisenbahnlinie zum Getreidetransport. Die 1000 Kilometer lange Bahnstrecke soll auch durch den Amazonas führen. Der Indigenen-Anführer kritisierte zudem Abholzung im brasilianischen Regenwald. "Wenn diese schlimmen Taten weitergehen, werden wir Probleme kriegen", sagte er.

Präsident Lula unterstützt auch Offshore-Ölbohrungen an der Amazonasmündung. Der staatliche Konzern Pertrobras rechnet eigenen Angaben zufolge damit, bald die Förderlizenz dafür zu bekommen. Lula hatte angekündigt, den Ölriesen zum "größten Erdöl-Unternehme der Welt" auszubauen. Brasilien ist derzeit der weltweit achtgrößte Erdölförderer.

Unter Lulas Vorgänger Jair Bolsonaro hatte den Raubbau im Amazonas massiv zugenommen. Unter Lula wurde die Zerstörung des für das Weltklima besonders wichtigen Regenwaldes im Amazonas deutlich zurückgefahren. Er schuf zudem ein Ministerium für den Schutz indigener Völker. Seit Beginn seiner dritten Amtszeit hat Lula 16 Indigenen-Schutzgebiete staatlich anerkannt und damit den Schutz dieser Gebiete vor Abholzung und Brandrodung verbessert.

D.Bruno--PV

Empfohlen

Sommer in Europa war so heiß und trocken wie nie zuvor

Was viele schon vermutet haben, ist nun auch offiziell bestätigt: Der Sommer in Europa war so heiß und trocken wie nie zuvor. Wie der EU-Klimadienst Copernicus am Freitag mitteilte, kletterten in mehr als der Hälfte Westeuropas die Temperaturen an 17 Tagen auf über 30 Grad. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden nur sieben solcher extremen Hitzetage gezählt, beim bisherigen Rekord im Jahr 2003 waren es elf Tage.

Inselparadies in Kenia fürchtet Folgen von gigantischem Raffinerieprojekt

Tourismus oder Industrie? Umwelt oder Öl? Der Startschuss für das größte Industrieprojekt aller Zeiten im ostafrikanischen Kenia bring die malerische Insel Lamu in eine Zwickmühle. Während sich die Bewohner des auch bei Prominenten beliebten Eilands durch die geplante Mega-Raffinerie teils überrumpelt fühlen, setzt die Regierung auf Fortschritt. Getrübt wird die Hoffnung auf Aufschwung und zehntausende Arbeitsplätze allerdings auch von der Sorge um wertvolle Ökosysteme.

"Katastrophales Jahr" für Schweizer Gletscher: 2026 Eisverlust von gut fünf Prozent

Ein "katastrophales Jahr" für die Gletscher in der Schweiz: Die Hitzewelle in Europa und ein schneearmer Winter haben die anhaltende Gletscherschmelze in dem Alpenland weiter beschleunigt. Die Schweizer Gletscher verloren in diesem Jahr 5,5 Prozent ihrer Masse, wie das Schweizerische Gletschermessnetz Glamos am Donnerstag mitteilte. Damit wurde 2026 der zweitstärkste Gletscherschwund seit Beginn der Aufzeichnungen verzeichnet.

Neuer Rekord: Erneuerbare decken 61 Prozent des Stromverbrauchs bis Ende September

Die Bedeutung erneuerbarer Energien in Deutschland steigt: Trotz eines wachsenden Stromverbrauchs - unter anderem für Klimatisierung während der Hitzewellen im Sommer - erreichte der Anteil der Erneuerbaren am gesamten Stromverbrauch in den ersten drei Quartalen des Jahres knapp 61 Prozent. Das geht aus vorläufigen Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor und ist demnach "ein neuer Rekord".

Textgröße ändern: