Pallade Veneta - UN-Klimachef warnt in Bonn vor "Rosinenpicken" beim Klimaschutz

UN-Klimachef warnt in Bonn vor "Rosinenpicken" beim Klimaschutz


UN-Klimachef warnt in Bonn vor "Rosinenpicken" beim Klimaschutz
UN-Klimachef warnt in Bonn vor "Rosinenpicken" beim Klimaschutz / Foto: Yasin AKGUL - AFP

Zum Abschluss der internationalen Klimaverhandlungen in Bonn hat UN-Klimachef Simon Stiell von Fortschritten gesprochen, aber auch vor Rückfällen gewarnt. In seiner Abschlusserklärung sagte Stiell am Donnerstag, echte Fortschritte seien unter anderem dabei gemacht worden, einen "gerechten Übergang" zu einer emissionsarmen Wirtschaft zu gewährleisten. Er warnte die Länder aber vor einem taktischen "Rosinenpicken" bei den globalen Verpflichtungen zum Klimaschutz.

Textgröße ändern:

Die UN-Klimagespräche in Bonn dienten der Vorbereitung des UN-Klimagipfels COP31, der im November im türkischen Antalya abgehalten werden soll und von der Türkei gemeinsam mit Australien ausgerichtet wird. Bei den zweiwöchigen Verhandlungen auf Fachebene am Sitz des UN-Klimasekretariats in Bonn ging es um die Senkung der Treibhausgasemissionen, die Anpassung an Klimafolgen und die Mobilisierung von Mitteln für die internationale Klimafinanzierung.

UN-Klimachef Stiell hob das von der Türkei ausgegebene Ziel hervor, dass bis zum Jahr 2035 ein Drittel des weltweiten Energiebedarfs elektrisch gedeckt werden sollte. "In diesen Bereichen haben wir große Fortschritte gemacht", sagte Stiell. "In anderen haben wir eine Seitwärtsbewegung gesehen und Stillstand. Wir haben beobachtet, wie geopolitische Spannungen durch diese Verhandlungsräume durchgezogen sind."

Er erklärte weiter: "Wir können es uns einfach nicht leisten, vorherige Entscheidungen noch einmal zu hinterfragen, bestehende Ziele neu zu verhandeln oder in Rückschritte zu verfallen." Stiell erinnerte an das ehrgeizige Pariser Abkommen, das vorsieht, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, und an das Versprechen reicher Staaten, den Entwicklungsländern jährlich 300 Milliarden Dollar für die Klimafinanzierung zur Verfügung zu stellen.

Während der Verhandlungen sei in einigen Räumen aber "die bekannte Tendenz zu hören gewesen, anderen Ländern den Vortritt zu überlassen", sagte Stiell. Er sprach von "Gruppen, die sich weigern, Verpflichtungen nachzukommen oder den Prozess nicht fortschreiten lassen, bis andere zuerst losmarschieren."

Am Mittwoch hatten sich Vertreter mehrerer Länder besorgt darüber gezeigt, dass eine Gruppe von Staaten versuche, entgegen wissenschaftlichen Erkenntnissen "die Interessen fossiler Energien" zu verteidigen. Zu den Ländern, die in Bonn ihre Besorgnis äußerten, gehörten neben zahlreichen Entwicklungsländern auch die Schweiz und die EU.

Welche Staaten sie beschuldigten, den wissenschaftlichen Konsens über die Klimaerwärmung zu unterwandern, wurde nicht genauer ausgeführt. Aber unter anderem Saudi-Arabien und anderen Ölstaaten war in der Vergangenheit vorgeworfen worden, entschiedenere Klimaschutzmaßnahmen verhindert zu haben, die bei den UN-Konferenzen einstimmig getroffen werden müssen.

O.Pileggi--PV

Empfohlen

EU-Parlament beschließt Recycling-Regeln für Autos

Autos sollen in der Europäischen Union künftig leichter in ihre Einzelteile zerlegt und so repariert oder recycelt werden. Das Europaparlament beschloss am Donnerstag in Straßburg, dass Autobauer ihre Fahrzeuge künftig so bauen müssen, dass einzelne Teile leichter ausgebaut und ersetzt werden können. Das Gesetz verschärft außerdem die Auflagen für die Entsorgung von Schrottautos.

Sachverständigenrat warnt vor Abbau ökologischer Standards im Umweltrecht

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) hat vor einer Aufweichung des Umweltrechts gewarnt. "In jedem Fall müssen ökologische Standards gewahrt werden", erklärte Ratsmitglied Annette Elisabeth Töller am Donnerstag anlässlich der Vorlage des SRU-Sondergutachtens "Umweltrecht zwischen Anspruch und Realität". Kritisiert wird darin vor allem eine unzureichende Anwendung der in Deutschland durchaus anspruchsvollen ökologischen Vorgaben.

EU-Parlament beschließt gelockerte Gentechnik-Regeln

Der Einsatz von Gentechnik für neue Pflanzensorten wird in der Europäischen Union künftig deutlich einfacher. Das Europaparlament stimmte am Mittwoch in Straßburg dafür, dass Produkte aus bestimmten gentechnisch veränderten Pflanzen im Supermarkt künftig keine Kennzeichnung mehr tragen müssen. Aufwendige Umweltprüfungen vor der Zulassung sollen wegfallen. Kritiker konnten sich nicht durchsetzen.

Hitzewelle: Paris erlaubt das Baden im Canal Saint-Martin

Kurz vor der nächsten Hitzewelle hat Paris das Baden im Canal Saint-Martin erlaubt: Wie der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire mitteilte, sollen sich die Menschen ab Mittwochnachmittag in einem Abschnitt des Kanals im Osten der französischen Hauptstadt abkühlen können.

Textgröße ändern: