Pallade Veneta - Gutachten empfiehlt Paketbranche Verbot von Subunternehmen und Leiharbeit

Gutachten empfiehlt Paketbranche Verbot von Subunternehmen und Leiharbeit


Gutachten empfiehlt Paketbranche Verbot von Subunternehmen und Leiharbeit
Gutachten empfiehlt Paketbranche Verbot von Subunternehmen und Leiharbeit / Foto: Tobias SCHWARZ - AFP

Um die teils sehr schlechten Arbeitsbedingungen für Paketzusteller zu verbessern, empfiehlt eine von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichte Studie ein Verbot von Subunternehmen und Leiharbeit. Das bereits seit längerem von der Gewerkschaft Verdi und im Mai auch vom Bundesrat geforderte Verbot der Vergabe von Werkverträgen an Subunternehmen sei rechtlich möglich, erklärten die Gutachter am Freitag.

Textgröße ändern:

Die Gutachter Anneliese Kärcher und Manfred Walser von der Hochschule Mainz untersuchten, ob ein solches Verbot mit dem Grundgesetz und EU-Recht vereinbar wäre. Ihr Ergebnis: Einem "Direktanstellungsgebot", das verschlungene Konstruktionen mit Subunternehmen verhindern würde und an bereits bestehende Regelungen in der Fleischwirtschaft angelehnt sein könnte, stehe rechtlich nichts im Wege.

Den Gutachtern zufolge gibt es eine erhebliche Unwucht in der Paketbranche. Innerhalb von zehn Jahren habe sich das Sendungsvolumen verdoppelt und 2021 mit 4,5 Milliarden beförderten Paketen ein neues Rekordhoch erreicht. Gleichzeitig blieb der Stundenlohn der Vollzeitbeschäftigten mit 17,12 Euro im Jahr 2009 und 17,13 Euro im Jahr 2020 quasi unverändert, was einen Reallohnverlust von 15 Prozent bedeute. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit habe auch immer wieder eklatante Verstöße gegen das Mindestlohngesetz festgestellt.

Wie die Gutachter darstellten, lässt von den sechs dominierenden Konzernen nur DHL Pakete nahezu vollständig von der eigenen Belegschaft zustellen. Fast die Hälfte der Zustellerinnen und Zusteller arbeite dagegen bei Subunternehmen für andere Anbieter. Die harte Preiskonkurrenz erkläre diese Entwicklung - im Onlinehandel seien Versand- und Rücksendekosten ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor. Die Beförderung der Pakete vom Depot zur Kundschaft mache dabei drei Viertel der Kosten aus.

Die Gutachter schreiben, dass ein Verbot von Subunternehmen zwar ein Eingriff in die Berufsfreiheit wäre. Allerdings seien der Arbeits- und Gesundheitsschutz und damit das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit der Paketzusteller von überragender Bedeutung. Die rein wirtschaftlichen Interessen der Paketunternehmen wögen das nicht auf.

Bei einer "Gesamtabwägung zwischen der Schwere des Eingriffs und dem Gewicht sowie der Dringlichkeit der den Eingriff rechtfertigenden Gründe" erscheine ein Direktanstellungsgebot zumutbar und damit verfassungsrechtlich gerechtfertigt, führten sie aus. Um Leiharbeit als Schlupfloch zu verhindern, müsse diese ebenfalls verboten werden.

Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis erklärte, "wir begrüßen die Ergebnisse des Gutachtens, das unsere Position bestätigt." Es sei höchste Zeit für ein gesetzliches Verbot von Subunternehmen in der Paketbranche, um prekäre Arbeitsbedingungen, Ausbeutung und illegale Beschäftigung wirksam zu bekämpfen.

H.Ercolani--PV

Empfohlen

CDU-Spitze berät über Reformen und Umgang mit AfD

Die CDU-Spitze berät ab Sonntag in einer zweitägigen Klausurtagung unter anderem über das weitere Vorgehen bei den geplanten Sozialreformen. Zum Auftakt der Präsidiumsklausur im Berliner Konrad-Adenauer-Haus wird Generalsekretärin Franziska Hoppermann am Mittag (12.45 Uhr) ein Presse-Statement abgeben. Es wird erwartet, dass die Regierungspartei sich auch mit den jüngsten Wahlniederlagen auseinandersetzt.

Vier Tote durch Sturm "Isaias" in den USA - Freigabe strategischer Ölreserven

Die Zahl der Todesopfer durch den Sturm "Isaias" im Süden der USA ist auf vier gestiegen. Wie die Behörden der Bundesstaaten Florida und Alabama am Samstag (Ortszeit) mitteilten, starben zwei der Opfer durch auf Häuser gestürzte Bäume. Fast 600.000 Haushalte und Geschäfte im Süden der USA waren infolge des Sturms ohne Strom, wie die Website poweroutage.com auflistete.

Sánchez wirbt um "große progressive Mehrheit" für neue Wohnungspolitik in Spanien

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat bei seinem ersten Wahlkampfauftritt um eine breite Mehrheit im Parlament für eine neue Wohnungspolitik geworben. Mit einer "großen progressiven Mehrheit" könne das Parlament das von seiner linksgerichteten Regierung geplante Maßnahmenpaket gegen die Wohnungskrise umsetzen, sagte Sánchez am Samstag bei einem Auftritt in Dos Hermanas in der Nähe von Sevilla in Andalusien. Es gehe darum, "Kleinvermieter und Mieter vor der Immobilienspekulation zu schützen".

EU-Haushalt: Irland sieht Sparpotenzial von acht Prozent - Kritik von Merz

Einsparungen in dreistelliger Milliardenhöhe: Diesen Haushaltsvorschlag hat die irische EU-Ratspräsidentschaft am Samstag vorgelegt. Im Vergleich zum Haushaltsentwurf der EU-Kommission mit einem Gesamtvolumen von knapp zwei Billionen Euro für die Jahre 2028 bis 2034 sieht die Regierung in Dublin Sparpotenzial in Höhe von rund 140 Milliarden Euro oder acht Prozent. Während Deutschland und Schweden die Einsparungen als zu niedrig kritisierten, sehen andere Länder sie als zu weitgehend an.

Textgröße ändern: