Pallade Veneta - Bundesarbeitsgericht schafft mehr Gerechtigkeit beim Mutterschutzlohn

Bundesarbeitsgericht schafft mehr Gerechtigkeit beim Mutterschutzlohn


Bundesarbeitsgericht schafft mehr Gerechtigkeit beim Mutterschutzlohn
Bundesarbeitsgericht schafft mehr Gerechtigkeit beim Mutterschutzlohn / Foto: Damien MEYER, - - AFP/Archiv

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt hat für mehr Gerechtigkeit beim Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld und beim Mutterschutzlohn gesorgt. Haben Frauen ein saisonal stark schwankendes Einkommen, dann kann zur Berechnung statt der üblichen drei auch ein Zeitraum von zwölf Monaten herangezogen werden, wie das BAG in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil entschied. (Az. 5 AZR 305/22)

Textgröße ändern:

Die Klägerin ist Flugbegleiterin und erhält neben ihrem Grundgehalt eine Mehrflugstundenvergütung sowie Bordverkaufsprovisionen. Zwischen Mai und Dezember 2018 waren dies zwischen 380 und 900 Euro pro Monat. Von Januar bis April 2019 erhielt sie nur Bordverkaufsprovisionen zwischen null und 54 Euro monatlich.

Im Mai 2019 wurde die Klägerin schwanger und im Februar 2020 bekam sie ihr Kind. Abgesehen von den Mutterschutzzeiten – üblich sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt – bestand für die Flugbegleiterin ein sogenanntes Beschäftigungsverbot. Dies bedeutet, dass sie zum gesundheitlichen Schutz für sich und ihr Kind nicht arbeiten durfte.

Während des Mutterschutzes zahlt die Krankenkasse ein Mutterschaftsgeld von bis zu 13 Euro pro Kalendertag, der Arbeitgeber stockt dies auf den Nettolohn auf. Während eines Beschäftigungsverbots zahlt der Arbeitgeber den regulären Lohn als Mutterschutzlohn. Beides kann er sich aus einem Umlagetopf zurückerstatten lassen.

Berechnet waren beide Leistungen üblich nach dem Einkommen der letzten drei Arbeitsmonate. Das waren hier die Monate Februar bis April 2019, in denen die Flugbegleiterin nur die geringen Bordverkaufsprovisionen erhalten hatte.

Das BAG entschied nun, dass jedenfalls bei einem "tariflichen Jahresarbeitszeitmodell mit saisonal ungewöhnlich stark schwankender variabler Vergütung" ein Referenzzeitraum von zwölf Monaten heranzuziehen ist. Das ergebe sich aus dem Zweck der Leistung und dem Willen des Gesetzgebers.

Zwar sehe das Gesetz einen Zeitraum von drei Monaten vor, gleichzeitig solle so aber ein "durchschnittliches Arbeitsentgelt" ermittelt werden. "In besonders gelagerten Fällen und bei bestimmten Arbeitszeitmodellen kann dieses durch einen dreimonatigen Referenzzeitraum nicht zutreffend abgebildet werden", betonten die Erfurter Richter. Ausnahmsweise sei dann daher ein Zeitraum von zwölf Monaten heranzuziehen.

Für die Flugbegleiterin ergibt sich so für ihre variablen Vergütungsbestandteile ein Mutterschutzlohn von 457 Euro monatlich. Ihre Fluggesellschaft hatte nur 22 beziehungsweise 30 Euro pro Monat gezahlt. Den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld soll nach diesen Maßgaben das Landesarbeitsgericht Köln berechnen.

F.Dodaro--PV

Empfohlen

Deutsche-Bank-Chef: Reformen der Bundesregierung nicht ausreichend und zu langsam

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat die bisherigen Reformen der Bundesregierung als nicht ausreichend und zu langsam kritisiert. Aus seiner Sicht habe die schwarz-rote Koalition "schon erkannt hat, was zu tun ist", sagte Sewing der "Bild am Sonntag". Allerdings glaube er, dass sie "in der Umsetzungsgeschwindigkeit und auch in der Konsequenz" besser werden müsse. "Und wir dürfen uns auch nicht immer auf Kompromisse einlassen", mahnte der Vorstandschef von Deutschlands größtem Kreditinstitut.

CDU-Spitze berät über Reformen und Umgang mit AfD

Die CDU-Spitze berät ab Sonntag in einer zweitägigen Klausurtagung unter anderem über das weitere Vorgehen bei den geplanten Sozialreformen. Zum Auftakt der Präsidiumsklausur im Berliner Konrad-Adenauer-Haus wird Generalsekretärin Franziska Hoppermann am Mittag (12.45 Uhr) ein Presse-Statement abgeben. Es wird erwartet, dass die Regierungspartei sich auch mit den jüngsten Wahlniederlagen auseinandersetzt.

Vier Tote durch Sturm "Isaias" in den USA - Freigabe strategischer Ölreserven

Die Zahl der Todesopfer durch den Sturm "Isaias" im Süden der USA ist auf vier gestiegen. Wie die Behörden der Bundesstaaten Florida und Alabama am Samstag (Ortszeit) mitteilten, starben zwei der Opfer durch auf Häuser gestürzte Bäume. Fast 600.000 Haushalte und Geschäfte im Süden der USA waren infolge des Sturms ohne Strom, wie die Website poweroutage.com auflistete.

Sánchez wirbt um "große progressive Mehrheit" für neue Wohnungspolitik in Spanien

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat bei seinem ersten Wahlkampfauftritt um eine breite Mehrheit im Parlament für eine neue Wohnungspolitik geworben. Mit einer "großen progressiven Mehrheit" könne das Parlament das von seiner linksgerichteten Regierung geplante Maßnahmenpaket gegen die Wohnungskrise umsetzen, sagte Sánchez am Samstag bei einem Auftritt in Dos Hermanas in der Nähe von Sevilla in Andalusien. Es gehe darum, "Kleinvermieter und Mieter vor der Immobilienspekulation zu schützen".

Textgröße ändern: