Pallade Veneta - Zentralrat der Jesiden kritisiert mangelnde Konsequenzen aus Völkermord-Anerkennung

Zentralrat der Jesiden kritisiert mangelnde Konsequenzen aus Völkermord-Anerkennung


Zentralrat der Jesiden kritisiert mangelnde Konsequenzen aus Völkermord-Anerkennung
Zentralrat der Jesiden kritisiert mangelnde Konsequenzen aus Völkermord-Anerkennung / Foto: Zaid AL-OBEIDI - AFP/Archiv

Der Zentralrat der Jesiden in Deutschland hat drei Jahre nach der Bundestags-Anerkennung des Völkermords an der religiösen Minderheit durch die dschihadistische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen Mangel an konkreten Konsequenzen kritisiert. Die Regierungen von Bund und Ländern hätten fast keine der versprochenen Maßnahmen umgesetzt, erklärte der Vorsitzende des Zentralrats der Jesiden in Deutschland, Irfan Ortac, gegenüber der "Rheinischen Post" (Montag).

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Nach der Anerkennung habe es viel Hoffnung gegeben, dass dadurch "das Leben der Jesiden in Deutschland sichtbarer wird", sagte Ortac. Das sei den Jesiden im Bundestagsantrag versprochen worden. Tatsächlich hätten die Regierungen in Bund und Ländern davon jedoch "fast nichts umgesetzt", kritisierte er.

Ortac verwies auf die 20 Forderungen, die in dem Bundestagsantrag enthalten waren. So sei etwa die Errichtung eines Lehrstuhls zur Religion und Kultur der Jesiden und dem Genozid an einer Universität zwischen Bund und Länder hin und her geschoben worden. Das Thema wäre zwar Ländersache, doch die Länder wollten vom Bund eine Garantie für die Finanzierung, erklärte er. Zudem habe der Zentralrat der Jesiden vor zweieinhalb Jahren bislang erfolglos einen Antrag für einen Gedenkort in Deutschland gestellt.

Ortac bemängelte auch die Lage an Schulen in Deutschland. Jesidische Kinder würden dort als "Teufelsanbeter" beschimpft, während Lehrkräfte hilflos daneben stünden, "weil ihnen das Wissen über die jesidische Kultur fehlt, um bei Diskussionen argumentieren zu können."

Auch die Zusage, Jesidinnen und Jesiden nicht voreilig abzuschieben, werde nicht eingehalten, erklärte Ortac. "Man schiebt erst einmal die Gruppe ab, die kaum eine Lobby hat", beklagte er.

Der IS hatte 2014 das Sindschar-Gebirge im Nordirak erobert, wo die Minderheit der Jesiden seit Jahrhunderten lebt. Die Dschihadisten zwangen jesidische Frauen und Mädchen in die Sklaverei, rekrutierten Jungen als Kindersoldaten und töteten tausende Männer.

Der Bundestag hatte die Gewalttaten gegen die Jesiden im Irak 2023 als Völkermord anerkannt. In Deutschland leben rund 250.000 Menschen mit jesidischen Wurzeln, es ist die größte jesidische Diaspora in Europa.

H.Lagomarsino--PV

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